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Robert Iwanetz 05.10.2016 15:49 Uhr - Aktualisiert 25.11.2016 17:04 Uhr
Red. Uckermark, schwedt-red@moz.de

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Cocktails aus dem Schweinestall

Bresch (MOZ) Brandenburg traut sich wieder. Selten war die Zahl der Eheschließungen mit fast 13000 Paaren im Jahr so hoch wie heute. Um den Tag zum schönsten im Leben werden zu lassen, muss viel organisiert werden. In einer Serie stellen wir Ihnen besondere Orte vor, wo die Hochzeit zum Erlebnis wird.

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Der Organisator: Tobias Schweitzer bewirtschaftet seit 2011 das „Landhaus Bresch“ in der Prignitz gemeinsam mit Freunden, Nachbarn aus dem Dorf und seiner Schwester Lulu.

© Robert Iwanetz

Als Tobias Schweitzer vor vielen Jahren einen Vierseitenhof im nördlichen Zipfel der Prignitz kaufte, hätte er nicht im Traum damit gerechnet, dass sich auf seinem Grundstück einmal Menschen aus Amerika, Japan oder Australien das Ja-Wort geben würden. "Es gab keinen großen Plan für den Hof", sagt der 50-Jährige, der ursprünglich nicht einmal aufs Land ziehen wollte. "Alles hat sich nach und nach irgendwie ergeben." Damals, im Sommer 2007, lockte ihn die Liebe ins verschlafene Bresch. Als die Beziehung zerbrach, blieb der geborene Aachener in dem 70-Seelen-Dorf leben, ohne so recht zu wissen, was er da eigentlich soll.

Heute ist ihm die Prignitz eine Heimat geworden: Auf seinem denkmalgeschützten Hof, der um 1820 errichtet wurde und aus einem Haupthaus, Ställen und einer großen Scheune besteht, herrscht viel Leben. Das "Landhaus Bresch" ist gleichzeitig Dorfkneipe, Kino, Altenheim, Herberge und Hochzeitsplatz. "Ich mache überhaupt keine Werbung, aber die Nachfrage nach Landhochzeiten ist enorm", erzählt Schweitzer. Waren es vor zwei Jahren erst fünf Hochzeiten, hat sich die Zahl in diesem Jahr verdoppelt. Auch für 2017 hat er bereits viele Anfragen.

Erfahrungen in der Gastronomie hatte Tobias Schweitzer vorher keine. Eigentlich ist er studierter Landschaftsarchitekt, eher trifft es aber Künstler oder Freigeist. Als seine Gartenbaufirma Ende der 90er-Jahre in Berlin Insolvenz anmelden musste, arbeitete er anschließend für das Trend-Magazin "Visionaire" in New York. Später gründete er eine eigene Galerie in Friedrichshain und half Karl Lagerfeld bei der Schlossgartengestaltung in Frankreich. Zwischendrin arbeitete er auch immer wieder in der Altenpflege und Sterbebetreuung - ein Thema, das ihn seit dem Zivildienst nicht mehr loslässt. So begann er auch im "Landhaus Bresch" ältere Menschen aufzunehmen und ihnen eine Alternative zu konventionellen Altenheimen zu bieten. Gerade lebt Johanna, 95 Jahre alt und an Demenz erkrankt, mit ihm zusammen im Haupthaus.

Bei der Arbeit mit den Senioren, aber auch mit den normalen Besuchern unterstützen ihn viele Freunde und Nachbarn aus dem Dorf sowie seine Schwester Lulu, der er den gesamten Hof überschrieben hat, weil ihn so viel Besitz unglücklich machen würde, wie Tobias Schweitzer es ausdrückt. Wenn eine Hochzeit ansteht, helfen sie alle mit zu kellnern, herzurichten, abzuwaschen und aufzuräumen. So ist die Atmosphäre im "Landhaus Bresch", das ziemlich genau in der Mitte von Hamburg und Berlin liegt, von vornherein nicht vergleichbar mit einer herkömmlichen Hotelanlage. Viel mehr wirkt es, als sei man bei Freunden untergekommen. "Wer bei uns seine Hochzeit feiert, soll sich auch wirklich zu Hause fühlen", sagt er.

Für den schönsten Tag im Leben können die Hochzeitsgesellschaften jeden Winkel auf dem Grundstück nutzen, zu dem ein riesiger Bauerngarten und 2,5 Hektar Land gehören. Übernachtungsmöglichkeiten finden sich in allen Gebäuden. Der Standard reicht vom gehobenen "Luxusapartment" bis zu einfachen Matratzen auf einem Scheunenboden. Der Trauplatz für freie Zeremonien befindet sich mitten auf einer Wiese unter einer alten Eiche. Am Abend geht es für die Party in die zahlreichen Nebengebäude: So befindet sich in einem umgebauten Schweinestall heute eine Cocktail-Bar mit Kamin. In der riesigen Heuscheune mit Empore, die eine Deckenhöhe von zwölf Metern besitzt, tanzen die Gäste oftmals bis in die frühen Morgenstunden. Wer möchte, kann danach in eine Outdoor-Badewanne steigen. "Bei uns gibt es fast keine Konventionen", sagt Tobias Schweitzer. "Wo sonst kann man schließlich in einem Altenheim auch heiraten?"

Lage:Das 70-Seelen-Dorf Bresch ist ein Ortsteil von Pirow. Die Gemeinde liegt in der nördlichen Prignitz. Nach Berlin sind es 160 Kilometer, nach Hamburg zehn weniger.

Kapazität:In der großen Scheune auf dem Vierseitenhof können 120 Gäste bequem essen und feiern.

Übernachtung:Auf dem Vierseitenhof befinden sich insgesamt 44 Übernachtungsmöglichkeiten in mehreren Kategorien.

Trauungsorte:Kirchliche Trauungen sind schräg gegenüber in der Dorfkirche Bresch möglich. Die nächste Zweigstelle vom Standesamt befindet sich im Schloss Neuhausen, rund sechs Kilometer entfernt.

Preise:Die Nutzung des Grundstücks, inklusive Geschirr, Personal und freier Trauung, kostet rund 5000 Euro. 1000 Euro davon gehen an den Verein "Neues Landleben", den Tobias Schweitzer gegründet hat, um Projekte in den umliegenden Dörfern zu unterstützen.

Besonderheit:Das Landhaus ist nicht nur Hochzeitsort, sondern auch Privatpflegeeinrichtung für ältere Menschen. (iwa)

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