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Robert Iwanetz 03.11.2016 14:40 Uhr - Aktualisiert 25.11.2016 17:06 Uhr
Red. Seelow, seelow-red@moz.de

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Hochzeitstafel am Elevator

Friedersdorf (MOZ) Brandenburg traut sich wieder. Selten war die Zahl der Eheschließungen mit fast 13000 Paaren im Jahr so hoch wie heute. Um den Tag zum schönsten im Leben werden zu lassen, muss viel organisiert werden. In einer Serie stellen wir besondere Orte vor, an denen die Hochzeit zum Erlebnis wird.

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Festliche Stimmung: Das Wirtshaus im Erdgeschoss des ehemaligen Getreidespeichers kann für Hochzeitsfeiern gemietet werden.

© Freundeskreis Friedersdorf

Ganz oben, direkt unter dem Dach, reicht ein tiefer Atemzug durch die Nase - und man weiß sofort, zu welchem Zweck der Friedersdorfer Kunstspeicher einst erbaut wurde. "Man glaubt es kaum", sagt die gute Seele im Haus, Regina Kursawe, die den Geruch ebenfalls bemerkt hat. "Aber wir haben immer noch Stellen, wo das Korn rausrieselt." Dabei sind die Zeiten, in denen hier auf sechs Ebenen Getreide lagerte, lange vorbei. Nach einer kurzen Phase des Leerstands hat sich der ehemalige Ziegelspeicher nach der Wende zu einen Ort der Kunst transformiert: So ist eine Etage weiter unten gerade die Bildhauerin Sabine Heller aus Sieversdorf damit beschäftigt, ihre zerklüfteten Kopf-Skulpturen aus Ziegelsteinen zwischen den Holzbalken zu platzieren. Sie ist die 190. Künstlerin, die im Speicher ihre Werke präsentiert.

"Unsere Entwicklung ist eine große Erfolgsgeschichte", fasst der Bio-Landwirt Hans-Georg von der Marwitz, der für die CDU im Bundestag sitzt und dessen Großvater den Speicher 1922 errichten ließ, die Entwicklung der letzten 25 Jahre zusammen. Wo in vielen anderen märkischen Gemeinden ein Dorfzentrum schmerzlich vermisst wird, strahlt der Kunstspeicher sogar weit über Friedersdorf hinaus, weil das denkmalgeschützte Gebäude alte Architektur und technische Relikte mit einem sinnvollen Nutzungskonzept vereint.

Geboren aus einer Rotwein-idee enthusiastischer Dorfbewohner fand die erste Ausstellung bereits im Herbst 1991 statt. In den Jahren danach wurde der Speicher grundlegend saniert. Marode Holzbalken wurden ersetzt, das Dach neu gedeckt. Besonders schwierig gestaltete sich die Holzwurmbekämpfung, die fast zehn Jahre andauerte. Anfangs flossen einige Fördergelder, doch schon bald erkannte man, dass der Speicher einer eigenen wirtschaftlichen Grundlage bedurfte, um weiterbestehen zu können. So wurden die unteren Etagen 2003 zu einem Laden mit regionalen Produkten und einem Wirtshaus umgebaut, das für Anlässe aller Art gemietet werden kann - auch für Hochzeitsfeiern.

Bis zu 100 Gäste finden Platz in dem Gastraum mit großer Terrasse, der vor zwei Jahren um einen Wintergarten erweitert wurde. Von dort blickt man auf typische Oderbruch-Idylle - grasende Pferde vor alten Bauernhäusern. Für das leibliche Wohl sorgt der Küchenchef Steffen Schrape, der für das Hochzeitspaar auf Wunsch Enten-, Gänse- oder Wildbraten im rustikalen Steinofen zubereitet. "Solche Details machen die besondere Atmosphäre im Speicher aus", sagt Regina Kursawe, die Vorsitzende vom Verein Freundeskreis Friedersdorf, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Denkmalensemble zu pflegen.

Dazu kommt, dass viel vom ursprünglichen Lagerhaus-Charme erhalten blieb: So verlaufen noch die ursprünglichen Getreide-Elevatoren, die einst das Korn bis unters Dach beförderten, durch den Restaurantbereich, in dem die Hochzeitspaare heute essen und tanzen. In einer Ecke steht ein Schrotmühlen-Motor aus DDR-Zeiten. "Die gesamte Technik könnte mit wenigen Handgriffen wieder in Betrieb genommen werden", erzählt Hans-Georg von der Marwitz, der 1991 aus dem Allgäu nach Friedersdorf zog - den Heimatort seiner Familie von 1682 bis 1945.

Dank seines Engagements sind heute auch Trauungen auf kurzem Weg möglich - in der Friedersdorfer Dorfkirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Kunstspeichers. Schon Theodor Fontane schwärmte von dem barocken Kleinod, das auf Initiative von Hans-Georg von der Marwitz von 1991 bis 2007 schrittweise saniert wurde. "Die Zeremonien dort sind wundervoll", sagt der 55-Jährige. Nun müsse man nur noch mehr Übernachtungsmöglichkeiten für größere Gesellschaften im Kunstspeicher schaffen. "Aber da sind wir gerade dran, ein Konzept zu entwickeln."

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