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Robert Iwanetz 08.11.2016 18:44 Uhr - Aktualisiert 25.11.2016 17:05 Uhr

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Heiraten in Uebigau: Frische Eier im Trauzimmer

Uebigau (MOZ) Brandenburg traut sich wieder. Selten war die Zahl der Eheschließungen mit fast 13000 Paaren im Jahr so hoch wie heute. Um den Tag zum schönsten im Leben werden zu lassen, muss viel organisiert werden. In einer Serie stellen wir besondere Orte vor, an denen die Hochzeit zum Erlebnis wird.

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Prachtvoller Bau: Die Geschichte der Schlossherberge Uebigau lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen.

© Robert Iwanetz

Wenn eine Hochzeit in der Schlossherberge Uebigau ansteht, müssen Silke Linke und ihre beiden Mitarbeiterinnen erst mal im Eiltempo umräumen. Das liegt daran, dass das Trauzimmer im ehemaligen Rittergut normalerweise als Frühstücksraum von den Übernachtungsgästen genutzt wird. "Deshalb können wir immer erst kurz vor der Trauungszeremonie dekorieren", erklärt die Leiterin der Schlossherberge, die dafür eine spezielle Routine entwickelt hat. Keine zwanzig Minuten brauchen die drei Frauen schließlich um die frischen Eier, Brötchen und Marmeladengläser abzuräumen und stattdessen Blumengestecke und weiße Stoffbänder zu drapieren, bis der Raum im Erdgeschoss, in den bis zu 20 Hochzeitsgäste passen, eine festliche Stimmung ausstrahlt.

15 Paare gaben sich in diesem Jahr hier bislang das Ja-Wort, mit Blick auf den Teich inmitten des großen Schlossparks. Viele von ihnen stammen aus den umliegenden Dörfern und Städten im Landkreis Elbe-Elster. Aber zur Verwunderung von Silke Linke sind auch einige Paare darunter gewesen, die das Anwesen im Internet entdeckten und aus Leipzig oder Berlin anreisten. Alle eint der Wunsch, vermutet die gebürtige Uebigauerin, sich einmal wie feudale Herrscher fühlen zu können.

Dazu kommt die persönliche Atmosphäre in der Schlossherberge: "Bei uns gibt es keine Massenabfertigung", sagt die 48-Jährige. Wer es wünscht, kann das gesamte Haus, das Anfang des 20. Jahrhunderts sein heutiges Aussehen erhielt und zu dem noch ein Nebengebäude gehört, ganz für sich allein haben. Gefeiert wird in einem Saal neben dem Trauzimmer. Diesen hat der Gastronom Mario Pfau aus der Nachbarstadt Falkenberg gemietet, der auch für das leibliche Wohl der Hochzeitsgesellschaften sorgt. Bis zu 80 Gäste finden dort bequem Platz.

Neben den Trauungen wird das städtische Anwesen, das mehrfach umgebaut und erweitert wurde, hauptsächlich als Herberge genutzt. Radtouristen schlafen hier ebenso wie Sportvereine im Trainingslager oder Schülergruppen auf Klassenfahrt. Kurz vor der Wende wurde der neobarocke Bau sogar als "schönste Jugendherberge der DDR" ausgezeichnet. Die vielen Mehrbettzimmer, die heute etwas in die Jahre gekommen sind, sind noch ein Andenken an diese Zeit. Saniert wurden in letzter Zeit vor allem die Nebengebäude und der Schlosshof. Das eigentliche Highlight ist aber sowieso der Schlosspark, der heute allen rund 2000 Einwohnern der Kleinstadt offensteht und den Feiernden bei schönem Wetter fast unbegrenzte Möglichkeiten bietet.

"Wir hatten hier schon Feuerwerk, Live-Musik und Seifenblasenkanonen", erzählt Silke Linke. Für Kinder ist das rund zwei Hektar große Areal ein einziger Abenteuerspielplatz. Für die Erwachsenen kann auf einer Wiese ein Biergarten aufgebaut werden. Unter den großen Bäumen, darunter amerikanische Arten wie Sumpf-Eichen, finden die Gäste auch im Hochsommer ein schattiges Plätzchen. Selbst im Winter, wenn alle Blätter längst abgefallen sind, besitzt der Schlosspark eine besondere Atmosphäre. Dafür verantwortlich ist Klaus-Peter Manig, der nach der Wende eine Gärtnerei in Uebigau eröffnete und sich ehrenamtlich auch um die Grünflächen des ehemaligen Adelssitzes kümmert.

Vor fünfzehn Jahren begann er damit, auf den Wiesen im Schlosspark Schneeglöckchen einzupflanzen. Zehntausende Stück seien es mittlerweile. Manche stammen aus Schottland, andere aus Italien oder Estland. Immer wieder schicken ihm Leute neue Exemplare zu, die er umgehend in den Park bringt. Ab Februar lässt sich dann das Ergebnis bestaunen: "Dann blüht hier alles weiß."

Weitere Informationen:

Lage:Die Schlossherberge befindet sich im historischen Kern der Kleinstadt Uebigau-Wahrenbrück zwischen Herzberg und Bad Liebenwerda im südlichen Landkreis Elbe-Elster.

Kapazität:Der Festsaal im Erdgeschoss fasst bis zu 80 Gäste. Draußen im Schlosspark finden auch größere Hochzeitsgesellschaften Platz.

Preise:Eine Hochzeitsfeier mit Buchung sämtlicher Zimmer im Schloss kostet rund 1500 Euro. Das Catering vom Gastronomen Mario Pfau ist darin nicht enthalten und muss individuell abgestimmt werden.

Trauungsorte:Im Erdgeschoss des städtischen Anwesens sind seit dem Jahr 2005 standesamtliche Trauungen möglich.

Übernachtung:Die Schlossherberge besitzt insgesamt 60 Betten - darunter finden sich viele Mehrbettzimmer, aber auch einige Einzel- und Doppelzimmer.

Besonderheit:Jeden Februar blühen im Schlosspark Zehntausende Schneeglöckchen, die der Gärtner Klaus-Peter Manig seit 15 Jahren dort pflanzt. (iwa)

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